Die Bedeutung von CBAM im Schatten des globalen Handelskonflikts
CBAM Weekly – Issue 42
Ein neuer Zollkonflikt spitzt sich zu
Die internationale Handelspolitik erlebt aktuell eine neue Welle protektionistischer Maßnahmen. Donald Trump hat nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus ein umfassendes Zollpaket angekündigt, das ab April 2025 in Kraft treten soll. Es sieht nach einigen politischen Schleifen nun in einer Phase von 90 Tagen pauschale Einfuhrzölle von mindestens zehn Prozent auf fast alle Waren vor, die in die USA eingeführt werden. Nur für Waren, die aus China importiert werden, stellt sich die Lage gänzlich anders dar. Nach derzeitigem – sich zugegebenermaßen ständig wechselndem – Stand werden auf die Einfuhren zusätzliche Abgaben in Höhe von 145 Prozent fällig. China hat bereits mit Gegenzöllen reagiert. Es erhebt seinerseits auf Einfuhren aus den USA eine Abgabe von 125 Prozent. Da diese Maßnahme die Wettbewerbschancen von amerikanischen Einfuhren nach China bereits derart einschränken würden, dass sie vermutlich kaum noch Marktanteile werden erreichen können, wird die chinesische Regierung nach eigener Aussage nicht weiter auf zusätzliche Erhöhungen der US-Zölle reagieren. Viele Unternehmen sehen sich nun gezwungen, auf diese Entwicklung zu reagieren. Apple kündigte jüngst an, seine iPhone-Produktion weiter aus China nach Indien zu verlagern. Solche Entscheidungen sind ein Indikator dafür, dass sich internationale Lieferketten neu sortieren – nicht mehr nur aus Effizienzgründen, sondern als Antwort auf politische Volatilität und steigende Kosten.
CBAM als zweiter Preistreiber im Außenhandel
Neben der Zollpolitik der USA müssen europäische Unternehmen sich auch auf steigende Kosten durch CBAM einstellen. Der CO₂-Grenzausgleich führt bei den Einfuhren ab 2026 zu erheblichen Mehrkosten, die voraussichtlich erstmals 2027 fällig werden. Anders als Zölle, die pauschal wirken, berechnet sich CBAM auf Basis der konkreten Emissionen, die bei der Herstellung eines Produkts angefallen sind. Das sorgt für Transparenz – führt aber ebenfalls zu spürbaren Mehrbelastungen im Einkauf. Für Stahlimporte etwa können sich durch CBAM mittelfristig Zusatzkosten von rund 380 Euro je Tonne ergeben – beim derzeitigen Warenwert entspricht das einem Plus von rund 60 Prozent. Bei Aluminium ist die absolute Belastung noch größer: Bis zu 570 Euro CO₂-Kosten pro Tonne kommen auf Importeure in wenigen Jahren zu. Im Verhältnis zu einem typischen Marktpreis von rund 2.300 Euro ergibt das eine Preissteigerung von knapp 25 Prozent – ganz ohne Transport- oder Bearbeitungskosten. CBAM unter Druck: Die US-Regierung sieht einen Zoll – und droht mit Gegenmaßnahmen Die amerikanische Regierung könnte CBAM bald ebenfalls als Zollmaßnahme einstufen. Die US-Handelsbeauftragte erklärte jüngst auf X (ehemals Twitter), dass CBAM „teure Verifikationspflichten“ auferlege und den Wettbewerbsvorteil amerikanischer Exporteure gegenüber „emissionsintensiveren Konkurrenten wie China“ verringere. Laut Schätzungen sollen durch CBAM jährlich US-Exporte im Wert von 4,7 Milliarden US-Dollar betroffen sein. In Washington ist von „unfairer Wettbewerbsverzerrung“ die Rede – ein Framing, das den Weg für Gegenmaßnahmen ebnen könnte. Sollte die US-Regierung CBAM offiziell als Handelshemmnis einstufen, drohen neue Zölle auf europäische Waren – mit unvorhersehbaren Folgen für viele Sektoren.
CBAM und Zölle – zwei Kosten, ein strategisches Risiko
Der gleichzeitige Anstieg von Zöllen und CBAM-Kosten macht eine klare strategische Analyse unumgänglich. Für viele Unternehmen bedeutet das: Sie müssen mit realen Preissteigerungen von 25 bis 60 Prozent auf zentrale Vorprodukte wie Stahl, Aluminium oder Düngemittel kalkulieren. Und sie müssen diese Entwicklung in die Struktur ihrer Lieferketten, ihrer Standortwahl und ihrer Preisstrategie einarbeiten. CBAM bringt dabei trotz seiner Kostenstruktur einen entscheidenden Vorteil. Er ist planbar. Im Gegensatz zu politisch motivierten Zöllen unterliegt er einem technischen Regelwerk. Die CO₂-Preise orientieren sich am EU-Emissionshandel, die Berechnungsgrundlage ist standardisiert, und bei Investitionen in emissionsarme Lieferanten lassen sich reale Kostenvorteile erzielen.
Produktion, Einkauf, Standort – CBAM zwingt zum Umdenken
Die gleichzeitige Wirkung von CBAM und neuen Zöllen zeigt, wie sehr Wirtschaft und Klimapolitik heute verschränkt sind. Unternehmen, die ihre CO₂-Kosten nicht kennen, laufen Gefahr, sich strategisch zu verkalkulieren. Es geht längst nicht mehr nur um regulatorische Compliance – sondern um Wettbewerbsfähigkeit. Wer die CO₂-Intensität seiner Vorprodukte kennt, kann auf CBAM reagieren. Wer die Herkunft seiner Waren strategisch auswählt, kann Zollrisiken steuern. Wer beides kombiniert, ist besser aufgestellt – sowohl gegenüber klimabezogenen als auch geopolitischen Preisrisiken. Fazit: Handelskosten werden zum zentralen Steuerungsfaktor Die aktuellen Entwicklungen zeigen: Handelskosten sind keine Randerscheinung mehr, sondern ein integraler Bestandteil strategischer Unternehmensführung. CBAM wird sich in den kommenden Jahren als dauerhafte Größe etablieren. Die Frage ist nicht, ob – sondern wie – Unternehmen ihre CO₂-Kosten managen. In Kombination mit unvorhersehbaren Zollmaßnahmen wird das zur Überlebensfrage für viele international agierende Geschäftsmodelle.
Support bei der Kostenanalyse und strategischen Ausrichtung
Wir helfen Ihnen gerne dabei, die finanziellen Auswirkungen von CBAM und internationalen Zöllen auf Ihre Lieferkette zu analysieren und die richtigen Weichen zu stellen. Von der Identifikation CO₂-intensiver Vorprodukte bis zur Entwicklung emissionsarmer Alternativen: Sprechen Sie uns gerne direkt an – helge@kolum.earth.