CBAM und der Einkauf – wenn Unsicherheit zum Kostenfaktor wird
CBAM Weekly – Issue 47
Ein neues System, viele Fragen
Mit dem Übergang vom Berichtssystem zum echten Zertifikatsmechanismus rückt ein Unternehmensbereich stärker in den Fokus als bisher: der Einkauf. Denn ab 2026 greift CBAM nicht mehr nur auf der Reporting-Ebene – es wird finanziell wirksam. Für Einkäuferinnen und Einkäufer bedeutet das: Die Entscheidungen, die heute getroffen werden, beeinflussen morgen nicht nur den CO₂-Fußabdruck, sondern auch die Bilanz. In der Praxis stellt das Unternehmen vor große Herausforderungen. Denn das Zusammenspiel aus Emissionsdaten, Zertifikatsmanagement, Preisprognosen und rechtlichen Änderungen macht es kaum möglich, klare Linien in der Einkaufsplanung zu ziehen. Die Unsicherheit wird zum Begleiter jeder Bestellung.
2026 ist nicht 2027 – und auch nicht 2025
Besonders irritierend ist dabei der Charakter des Jahres 2026. Eigentlich beginnt hier die „Regelphase“ des CBAM. Tatsächlich aber bringt die Omnibus-Initiative einen eigenen Übergangscharakter in dieses Jahr. Der Zertifikatspreis wird rückwirkend mit Quartalsdurchschnitten gebildet, und die Käufe starten erst ab Februar 2027. Das bedeutet: Der Einkauf von heute betrifft Kosten, die erst in eineinhalb Jahren anfallen – und deren Höhe sich erst dann konkret bestimmen lässt. Die Unsicherheit wird damit systemisch. Das Zertifikatemanagement in der Regelphase, folgt in 2026 eigenen Regeln. Für Unternehmen, die sich jetzt auf eine neue Steuerungslogik vorbereiten und Prozesse implementieren, erschwert das nicht nur die Planung – es wirft auch operative Fragen auf: Wie werden Preisrisiken abgefedert? Welche Budgets müssen wann bereitstehen? Und wie lässt sich das alles in bestehende Einkaufsprozesse integrieren?
Unsichere Preisfaktoren
Die grundsätzliche Herausforderung bleibt dabei dieselbe: Unternehmen kaufen Produkte, deren (verifizierten) CO₂-Gehalt sie zum Zeitpunkt des Einkaufs noch gar nicht kennen. Die verifizierten Emissionsdaten können nur rückwirkend erhoben und genutzt werden, wenn der Produktionsprozess bereits abgeschlossen ist, sogar die Emissionsüberwachungsperiode beendet ist. Ob und in welcher Qualität ein Lieferant verifizierte Werte liefert, ist nicht sicher. Es muss mit hochgerechneten oder erwartbaren Werten gearbeitet werden. Ähnliches gilt für den Zertifikatspreis. Dieser unterliegt Schwankungen und kann für die Zukunft nur prognostiziert errechnet werden. Sichern Sie sich hier nicht ab oder kaufen Sie - in der normalen Regelphase - die Zertifkate nicht schon in der Woche Bestellung, können Sie nur in Preisspannen kalkulieren, welchen Zertifikatspreis Sie werden zahlen müssen. Für die Kalkulation bedeutet das: Einkaufsentscheidungen beruhen auf mehreren Annahmen. Die Preise müssen in Korridoren kalkuliert werden, die sich je nach Produktgruppe, Herkunftsland und Marktlage deutlich unterscheiden können. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist diese Unsicherheit besonders schwer zu tragen – denn sie beeinflusst die Margen, die Planbarkeit und die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Geschäftsbereiche.
Der relative Anteil steigt – und mit ihm der Druck
In der Anfangsphase des CBAM mag der finanzielle Anteil der CO₂-Kosten noch überschaubar sein. Die Einführung erfolgt schrittweise, die notwendigen Zertifikatsmengen bleiben begrenzt, der Zertifikatspreis fällt nicht so stark ins Gewicht. Doch das wird sich ändern. Mit der vollständigen Implementierung und erwartbar höheren Zertifikatspreisen wird der CBAM-Kostenanteil am Produktpreis steigen. Was heute noch eine Randgröße ist, wird morgen zu einem zentralen Einkaufskriterium. Das bedeutet: Unternehmen, die frühzeitig in die Qualität ihrer Emissionsdaten, in transparente Lieferketten und in automatisierte Analysesysteme investieren, können ihre Preiskorridore verengen – und damit verlässlicher und gezielter einkaufen. Die Fähigkeit, CBAM-Kosten nicht nur zu erfassen, sondern auch zu prognostizieren, wird zum klaren Vorteil im Wettbewerb.
Fazit
CBAM verändert nicht nur die regulatorische Landschaft, sondern auch die betriebswirtschaftliche Logik des Einkaufs. Zwischen rückwirkender Datenbeschaffung, aufgeschobenem Zertifikatskauf und schwankenden Zertifikatspreisen geraten viele Unternehmen in eine Planungsunsicherheit, die sie teuer zu stehen kommen kann. Wer sich jedoch frühzeitig auf diese neue Situation einstellt, schafft Klarheit – und gewinnt Handlungsspielräume. Denn in Zukunft entscheidet nicht nur der Preis, sondern auch die Datenanalyse über den wirtschaftlichen Erfolg eines Einkaufs.
Support bei der Umsetzung
Wenn Sie wissen möchten, wie Sie Ihre Einkaufsprozesse CBAM-sicher aufstellen oder wie Sie Emissionsdaten effizient integrieren, melden Sie sich gerne direkt bei uns unter helge@kolum.earth.