Neues Kapitel in Asien: Taiwan plant eigenes CBAM ab 2027
CBAM Weekly – Issue 51
Ein ambitionierter Schritt in der Klimapolitik
Taiwan gehört zu den wirtschaftsstärksten Inselstaaten im asiatisch-pazifischen Raum – und steht seit der Einführung des EU CBAM unter zunehmendem internationalen Druck, eigene Maßnahmen zur CO₂-Bepreisung zu etablieren. Nun hat das taiwanesische Umweltministerium angekündigt, ab 2027 ein eigenes Carbon Border Adjustment Mechanism einzuführen. Zunächst soll der Mechanismus auf Zement und Stahl angewendet werden – zwei der emissionsintensivsten Branchen, die stark vom internationalen Wettbewerb betroffen sind. Die Grundlagen für das neue System werden bereits in diesem Jahr geschaffen. Vorgesehen ist eine Testphase, in der Emissionsdaten gemeldet, Standardwerte erarbeitet und ein Berichtsverfahren etabliert werden. In enger Abstimmung mit Industrieverbänden arbeitet die Regierung an der Definition von Meldepflichten, Berechnungsmethoden und administrativen Abläufen. Ziel ist ein vollständiger CBAM-Mechanismus, der Importe auf Basis ihres CO₂-Fußabdrucks bepreist – ganz nach dem Vorbild der EU.
Ein komplexes System – mit internationalen Vorbildern
Das Umweltministerium Taiwans betont ausdrücklich, dass das neue CBAM-System auf internationale Kompatibilität ausgelegt ist. Man orientiere sich nicht nur am EU CBAM, sondern beobachte auch die Entwicklung in Großbritannien, den USA und Japan. Die Komplexität des Systems – insbesondere mit Blick auf WTO-Kompatibilität und industrielle Wettbewerbsfähigkeit – sei hoch. Umso wichtiger sei es, dass die Einführung schrittweise erfolge und mit Pilotprojekten flankiert werde. Parallel zum CBAM wird auch an einem nationalen Emissionshandelssystem gearbeitet. Dieses soll ab 2026 in einer Pilotphase starten. Der Aufbau eines verpflichtenden Cap-and-Trade-Systems ist langfristig geplant. Ergänzend dazu verfolgt die Regierung den Aufbau eines freiwilligen Marktes für CO₂-Zertifikate, inklusive standardisierter Methoden und transparenter Plattformen. CO2-Abgabe als Basisinstrument Bereits zum 1. Januar 2025 führte Taiwan ein verpflichtendes CO₂-Bepreisungsinstrument in Form einer CO2-Abgabe ein. Diese orientiert sich an den Emissionen des Vorjahres und greift ab einer Schwelle von 25.000 Tonnen CO₂-Äquivalent jährlich. Je nach Ambitionsniveau und Einhaltung freiwilliger Reduktionspläne zahlen Unternehmen zwischen 50 und 300 Taiwan-Dollar pro Tonne – also zwischen rund 1,50 und 9 Euro. Für besonders emissionsintensive Industrien – etwa Zement, Energie und Schwerindustrie – gibt es Anpassungsfaktoren, die die Abgaben verringern. Ziel ist es, die Unternehmen nicht abrupt zu belasten, sondern einen schrittweisen Übergang zur Dekarbonisierung zu ermöglichen – ähnlich wie es auch in Europa mit den kostenlosten EU-EHS-Zertifikaten und dem CBAM-Faktor geschieht. Die Regierung rechnet mit Einnahmen von bis zu 6 Milliarden Taiwan-Dollar im ersten Jahr – diese sollen zur Finanzierung grüner Technologien verwendet werden.
Warum ein taiwanesischer CBAM?
Die Einführung eines nationalen CBAM hat auch eine strategische Dimension. Aktuell importiert Taiwan rund 30 Prozent seines Zements aus Ländern wie Vietnam, deren CO₂-Intensität 10 bis 20 Prozent höher liegt als bei heimischen Produkten. Ohne Ausgleich droht ein Wettbewerbsnachteil für lokale Hersteller – und damit letztlich auch eine Gefahr für Carbon Leakage. Ein CBAM könne hier einen fairen Preis für CO₂ etablieren – und gleichzeitig die Industrie auf dem Weg zur Transformation begleiten. Auch außenwirtschaftlich ist der Schritt relevant. Die Regierung befürchtet, dass ohne glaubwürdige CO₂-Bepreisung taiwanesische Exporteure – etwa im Stahl- oder Zementsektor – unter den EU CBAM fallen und doppelt belastet werden. Mit einem eigenen System, das internationale Standards erfüllt, könnte Taiwan nicht nur seine Industrie schützen, sondern auch Ausnahmen oder Anerkennungen im Rahmen des EU CBAM erwirken.
Fazit
Taiwan entwickelt sich zur nächsten Schlüsselregion in der globalen CO₂-Bepreisung. Mit einem ambitionierten Carbon Levy, der geplanten Einführung eines nationalen ETS und dem Aufbau eines eigenen CBAM verfolgt die Regierung einen integrierten Ansatz – zwischen ökologischer Verantwortung, industriepolitischem Schutz und außenwirtschaftlicher Anschlussfähigkeit. Für europäische Unternehmen mit Asien-Geschäft, für Importeure und für politische Beobachter ist klar: Die Dynamik rund um CBAM wird internationaler. Wer in dieser neuen Klimaregulierungsarchitektur bestehen will, sollte globale Entwicklungen frühzeitig in die eigene Strategie einbeziehen.
Support bei der Ausrichtung
Wenn Sie wissen möchten, wie sich das taiwanesische CBAM auf Ihre Lieferketten oder Handelsströme auswirken könnte, melden Sie sich gerne direkt bei uns unter helge@kolum.earth.