Clean Tech Manufacturing Aid – Rückenwind für lokale nachhaltige Produktion?
CBAM Weekly – Issue 56
Ein neuer industrieller Schub aus Brüssel
Am 2. Juli 2025 hat die Europäische Kommission das erste Umsetzungspaket des Clean Industrial Deal vorgestellt. Dahinter steht ein klares politisches Ziel: Europa soll nicht nur ambitionierte Klimaziele setzen, sondern auch die sauberen Technologien produzieren, die zu deren Erreichung nötig sind. Der neue Rahmen für staatliche Beihilfen und Investitionsanreize soll den schnellen Aufbau lokaler Kapazitäten für erneuerbare Energien, CO₂-arme Fertigung und strategische Materialien fördern – in einem Umfeld, in dem der globale Wettbewerb hart ist und die Zeit drängt.
Die Verbindung zu CBAM und Wettbewerbsfähigkeit
Auch wenn der Clean Industrial Deal weit über den Carbon Border Adjustment Mechanism hinausgeht, sind beide eng miteinander verknüpft. CBAM gleicht Wettbewerbsbedingungen an der Grenze an, indem eingebettete Emissionen in Importen bepreist werden. Der Clean Industrial Deal adressiert nun die andere Seite: Er soll sicherstellen, dass EU-Hersteller die nötigen Mittel haben, um zu investieren, zu innovieren und die zunehmend strengen Emissionsvorgaben einzuhalten, die CBAM in Verbindung mit dem Europäischen Emissionshandelssystem durchsetzen wird. Für viele Unternehmen heißt das: Lieferketten hin zu emissionsarmer und dadurch günstigerer Produktion zu verlagern – mit Vorprodukten und Prozessen, die entstehende CBAM-Kosten möglichst minimieren.
Der Blick auf staatliche Beihilfen
Der neue Beihilferahmen des Clean Industrial Deal ersetzt die befristeten Kriseninstrumente durch eine stabile, langfristige Struktur. Er erlaubt es Mitgliedstaaten, energieintensive Industrien zu unterstützen, Stromkosten zu senken und Dekarbonisierungsprojekte zu fördern – im Gegenzug für verbindliche Emissionsreduktionsziele. Diese Planbarkeit kann es Unternehmen erleichtern, Investitionen in lokale Produktionslinien zu rechtfertigen oder verstärkt von europäischen, emissionsarmen Lieferanten zu beziehen. Für den Einkauf könnte das bedeuten, dass CO₂-arme heimische Alternativen preislich konkurrenzfähiger gegenüber Importen werden, die dann wohl höhere CO2-Kosten tragen müssen. Export-Leakage und lokale Wertschöpfung Ein besonders kontroverses CBAM-Thema – Export Leakage – wird in diesem Paket ebenfalls aufgegriffen. Die Kommission plant ein spezielles Unterstützungsinstrument für EU-Produzenten, die auf Märkten ohne vergleichbare CO₂-Bepreisung im Wettbewerb stehen. Entsprechend ausgestaltet, könnte dies lokale Produktionskapazitäten stärken und ganze Wertschöpfungsketten in der EU halten – vom Rohstoff bis zum Endprodukt. Für CBAM-Sektoren könnte die Kombination aus Grenzmaßnahmen und Industrieunterstützung einen Wendepunkt darstellen: Lokale Beschaffung wäre dann nicht nur eine Compliance-Strategie, sondern auch ein Kostenvorteil.
Grüne Industriepolitik
Mit dem Übergang von CBAM in die Vollanwendung ab 2026 wird die Emissionsintensität der Produktion innerhalb und außerhalb der EU entscheidend. Die neuen Beihilferegeln, Steuerempfehlungen und Energiereformen des Clean Industrial Deal sollen die Voraussetzungen dafür schaffen, die ambitionierten Klimaziele der EU industrieverträglich zu erreichen. Gelingt dies, könnte die europäische Industrie einen Wettbewerbsvorteil erhalten und Investitionen in eine europäische Fertigung nach höchsten Klimastandards zunehmen.
Sinnvolle Subventionierung?
Andererseits werden Subventionen einer klimafreundlicheren Produktion in Europa teilweise auch kritisch gesehen. Letztlich seien diese sog. „stranded assets“, also verlorene Vermögenswerte des Steuerzahlers. Denn selbst bei einer Elektrifizierung der Industrie in Europa hätte diese im Vergleich zu anderen Regionen der Welt, in denen erneuerbare Energien günstiger gewonnen werden können, einen Wettbewerbsnachteil. Diese höheren Energiekosten durch Strom oder Wasserstoff würden letztlich trotz der bereits durch Subventionen bezahlten grünen Produktion weitere Subventionen erforderlich machen, um den Wettbewerbsnachteil gegenüber grün produzierenden Unternehmen etwa in Australien oder Südamerika auszugleichen.
Ausblick
In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob die neuen Maßnahmen tatsächlich zu Projekten und Kapazitätsaufbau führen. Bis Ende des Jahres werden zudem Vorschläge der Kommission zur Ausweitung von CBAM auf nachgelagerte Produkte, zu Anti-Umgehungsmaßnahmen und zum Exportunterstützungssystem erwartet. Für Unternehmen wird die Schnittstelle zwischen Industriepolitik und CO₂-Grenzausgleich immer relevanter – und strategische Beschaffungsentscheidungen werden künftig nicht nur von Preis und Qualität abhängen, sondern auch davon, wie klimafreundlich die Produktion ist.
Unterstützung bei der Planung
Wenn Sie wissen möchten, wie sich der Clean Industrial Deal auf Ihre CBAM-Betroffenheit, Ihre Lieferketten oder Ihre Investitionsentscheidungen auswirken könnte, unterstützen wir Sie gerne bei der Analyse und strategischen Ausrichtung.