US-Zölle auf Stahl und Aluminium - Was Europa daraus für CBAM lernen kann
CBAM Weekly – Issue 58
Neue Zölle in den USA
Die US-Regierung hat in dieser Woche ein deutliches Signal an den Welthandel gesendet. Auf 407 Kategorien von Stahl- und Aluminiumprodukten gelten ab sofort Strafzölle von 50 Prozent. Betroffen sind nicht nur klassische Industrieprodukte wie Stahlcoils, sondern auch viele weiterverarbeitete Waren: Motorräder, Fenster- und Türrahmen, Sportgeräte, Kranfahrzeuge oder sogar Eisenbahnwaggons. Und die Liste könnte noch länger werden – für weitere sechzig Produktgruppen wird derzeit eine Ausweitung geprüft.
So funktionieren die neuen Maßnahmen
Neu an dieser Zollrunde ist die Art und Weise, wie die Abgaben berechnet werden. Während frühere Strafzölle pauschal für ganze Branchen galten, orientiert sich der aktuelle Aufschlag am tatsächlichen Metallanteil im jeweiligen Produkt. Je mehr Stahl oder Aluminium enthalten ist, desto höher fällt der Zoll aus. Wer die exakten Berechnungen vornehmen muss, ist offiziell noch offen. In der Praxis wird diese Verantwortung aber höchstwahrscheinlich bei den Importeuren liegen. Für Unternehmen bedeutet das: mehr Bürokratie, mehr Unsicherheit und erhebliche Zusatzkosten. Besonders für komplexe Güter mit vielen Einzelteilen wird die Ermittlung des Materialanteils zur echten Herausforderung. Ziel der Maßnahme ist es, Schlupflöcher zu schließen. Bislang konnten Unternehmen Zölle umgehen, indem sie statt Rohmaterialien stärker auf Fertigwaren aus dem Ausland setzten. Mit der neuen Logik wird genau das unattraktiver gemacht.
Parallelen zu CBAM
Auch wenn die Motivation in den USA in erster Linie protektionistisch ist, lässt sich aus dem Vorgehen einiges für CBAM ableiten. In Europa steht die Frage im Raum, wie sich das Carbon Border Adjustment Mechanism von Grundstoffen wie Stahl und Aluminium auf nachgelagerte Produkte ausweiten lässt. Bisher ist klar: Ab 2026 werden vor allen Dingen importierte Grundstoffe mit CBAM-Kosten belegt. Aber was passiert mit Produkten, die diese Materialien enthalten – etwa Autos, Maschinen oder Haushaltsgeräte?
Vorbild US-Zölle
Das US-Beispiel liefert hier einen interessanten Denkanstoß. Denn auch für CBAM beschäftigt sich die Kommission derzeit damit, wie einer Umgehung des Mechanismus und einer Verlagerung der Produktion der Enderzeugnisse entgegengewirkt werden kann. Hierzu erarbeitet sie einen Vorschlag zur Erweiterung des Anwendungsbereichs auf weitere Enderzeugnisse und auch vermehrt auf Konsumgüter. Hierfür könnte der auch der amerikanische Ansatz funktionieren. Statt pauschaler Aufschläge werden Abgaben an konkrete Anteile im Produkt gekoppelt. In Amerika ist es der Metallgehalt, bei CBAM wären es die eingebetteten Emissionen oder auch der Anteil enthaltener CBAM-pflichtiger Grundstoffe. Der Vorteil liegt auf der Hand: Das System wird präziser und bildet die tatsächliche Belastung besser ab. Der Nachteil: Die Komplexität steigt deutlich. Unternehmen müssten noch detailliertere Daten bereitstellen, was nicht nur zu höheren Kosten führt, sondern auch das Risiko von Konflikten mit den Behörden erhöht. Wer trägt die Verantwortung für Berechnungen? Welche Methodik gilt als korrekt? Solche Fragen werden künftig im Mittelpunkt stehen.
Ausblick für CBAM
Die US-Zölle zeigen sehr deutlich, wohin die Entwicklung geht: Grenzmaßnahmen wandeln sich von groben Pauschalregeln zu datengetriebenen Systemen, die sich stärker an den realen Eigenschaften eines Produkts orientieren. Für CBAM wird das besonders wichtig, wenn die EU den Anwendungsbereich auf nachgelagerte Produkte ausweiten will. Nur wenn Emissionen sauber und nachvollziehbar entlang komplexer Lieferketten zugeordnet werden können, bleibt CBAM glaubwürdig und effektiv. Gleichzeitig darf die Regulierung nicht so kompliziert werden, dass sie Unternehmen faktisch überfordert. Die Balance zwischen Genauigkeit und Praktikabilität wird daher über den Erfolg der nächsten CBAM-Phase entscheiden.
Unterstützung bei der Umsetzung
Wenn Sie wissen möchten, wie sich Ihr Unternehmen strategisch auf eine mögliche CBAM-Erweiterung vorbereiten kann, sprechen Sie mich gerne direkt an (helge@kolum.earth). Gemeinsam entwickeln wir einen Ansatz, mit dem Sie regulatorische Anforderungen erfüllen und gleichzeitig Ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern können.