Indiens Stahlsektor unter Druck – CBAM-Kosten gefährden Exportwettbewerbsfähigkeit
CBAM Weekly – Issue 62
CBAM-Update – Indische Regierung warnt vor Risiken
Diese Woche kam ein deutliches Signal aus Neu-Delhi. Der indische Stahlminister Sandeep Poundrik warnte, dass der CO2-Grenzausgleichsmechanismus der Europäischen Union eine erhebliche Bedrohung für indische Stahlexporte darstellt. Beim FT Live Energy Transition Summit India betonte er, dass die Branche jetzt handeln muss, um den erwarteten Handelseinbruch zu mildern. Der CBAM der EU führt einen CO2-Preis auf importierte Waren ein, um gleiche Wettbewerbsbedingungen mit EU-Herstellern zu schaffen, die bereits dem Emissionshandelssystem unterliegen. Stahl zählt zu den direkt betroffenen Sektoren.
Indischer Stahl besonders betroffen
Indien exportiert derzeit rund 4,5 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr, wobei etwa zwei Drittel in den europäischen Markt gehen. Der größte Teil dieses Stahls wird im emissionsintensiven Hochofen-Konverter-Verfahren hergestellt. CBAM wird ab 2026 einen CO2-Preis von etwa 5.200 ₹ (ca. 60 €) pro Tonne CO2 erheben, mit jährlichen Steigerungen, da die kostenlosen EU-Zertifikate schrittweise auslaufen. Diese Preisgestaltung könnte indische Stahlexporte deutlich verteuern und deren Wettbewerbsfähigkeit schwächen. Poundrik merkte an, dass sogar neue Produktionskapazitäten in Indien weiterhin mit dieser emissionsintensiven Technologie geplant werden, was das Problem verschärft.
Maßnahmen auf nationaler Ebene
Der indische Stahlsektor verursacht 12 % der landesweiten Treibhausgasemissionen, mit einer durchschnittlichen Emissionsintensität von 2,55 tCO2 pro Tonne Rohstahl – deutlich über dem globalen Durchschnitt von 1,9 tCO2. Die indische Regierung hat deshalb eine Green-Steel-Taxonomie eingeführt, um die Dekarbonisierung voranzutreiben. Stahl gilt als hierunter als "grüner Stahl", wenn bei der Herstellung weniger als 2,2 tCO2 pro Tonne Endprodukt ausgestoßen werden. Ein Sternesystem bewertet den CO2-Fußabdruck: 5 Sterne für unter 1,6 tCO2 pro Tonne, 3 Sterne für Emissionen knapp unterhalb der 2,2 tCO2-Grenze.
Folgen für EU-Importeure
CBAM-berichtspflichtige Unternehmen in der EU, die Stahl aus Indien beziehen, sollten diese Entwicklungen aufmerksam verfolgen. Das Risiko steigender CBAM-Kosten wächst. Langfristig könnten indische Hersteller auf emissionsärmere Verfahren wie den Elektrolichtbogenofen umstellen, doch das erfordert erhebliche Investitionen und Zeit. Importierende Unternehmen sollten bereits jetzt die Emissionsdaten ihrer Lieferanten prüfen und CBAM-Kosten in Vertragsverhandlungen für 2026 und darüber hinaus einpreisen.
Unterstützung bei der strategischen Planung
Wenn Sie Stahl importieren oder in einem anderen Sektor vom CBAM betroffen sind, unterstützen wir Sie gerne bei der Umstellung. Kontaktieren Sie uns direkt unter helge@kolum.earth. Wir machen Ihr Unternehmen CBAM-ready.