CBAM und Afrika: Wendepunkt für den klimabewussten Handel
CBAM Weekly – Issue 65
Omnibus-Reform
Am 30. September 2025 hat die Europäische Union weitreichende Reformen des Carbon Border Adjustment Mechanism beschlossen. Ziel ist es, nicht nur die administrativen Prozesse für europäische Importeure zu vereinfachen, sondern zugleich das Grundprinzip des Mechanismus zu stärken: Der CO2-Gehalt importierter Waren soll auch weiterhin einen Preis erhalten, der dem europäischen Emissionshandelssystem entspricht. Die überarbeitete Verordnung führt eine neue Mengenschwelle von 50 Tonnen pro Jahr ein. Kleinere Importeure werden dadurch von umfangreichen Meldepflichten befreit, während dennoch rund 99 Prozent der eingebetteten Emissionen in EU-Importen erfasst bleiben. Für europäische KMU bedeutet das eine deutliche Entlastung. Für viele afrikanische Exporteure hingegen – insbesondere in CO2-intensiven Branchen wie Stahl, Zement oder Düngemitteln – markiert diese Maßnahme einen grundlegenden Einschnitt. Der Zugang zum EU-Markt wird zunehmend durch den CO2-Fußabdruck und nicht mehr durch den Warenwert bestimmt.
Neuer Druck auf den Handel zwischen Afrika und Europa
Die Europäische Union ist weiterhin ein zentraler Exportmarkt für afrikanische Industrieprodukte. Das Handelsvolumen liegt bei über 150 Milliarden Euro jährlich. Die Reform erhöht nun den Handlungsdruck für eine klimafreundliche Transformation afrikanischer Industrie. In Ländern wie Südafrika, Marokko oder Ägypten basiert die industrielle Produktion noch stark auf fossilen Energien. Ohne Investitionen in emissionsarme Technologien drohen Exportverluste und steigende Kosten durch CBAM-Zertifikate. Südafrikas Stahlexporte in die EU beliefen sich 2024 auf über 1,3 Milliarden US-Dollar. Aufgrund der Kohleabhängigkeit des Stromnetzes ist der CO2-Ausstoß je Tonne Stahl hoch und somit die Belastung durch CBAM ebenfalls. Auch Marokkos Düngemittelbranche und Ägyptens Zement- und Aluminiumsektor stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Ohne belastbare Emissionsdaten und saubere Produktionsprozesse wird der Zugang zum EU-Markt zunehmend erschwert.
Grüner Aufbruch oder neue Hürde?
Gleichzeitig eröffnet CBAM auch Chancen. Der Mechanismus setzt einen Preisanreiz, der Investitionen in erneuerbare Energien, emissionsarme Produktion und grüne Logistik begünstigen kann. Kenia profitiert bereits heute von einem Strommix, der zu über 90 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt. Namibia verfolgt eine nationale Wasserstoffstrategie. In Marokko entstehen industrielle Solarzonen. Diese Entwicklungen zeigen: Wer früh reagiert, kann sich strategische Wettbewerbsvorteile sichern. Dennoch warnen politische Stimmen aus Afrika vor den Risiken. Die AfCFTA-Sekretariate fordern konkrete Unterstützung beim Aufbau von CO2-Messsystemen, Zertifizierungsprozessen und regionalen Märkten für Emissionsrzertifikate. Ohne diese Infrastruktur könnte CBAM ihrer Meinung nach in seiner Wirkung weniger klima- und mehr handelsregulatorisch ausfallen und gerade Entwicklungsländer stark belasten.
Ausblick: Übergang statt Ausgrenzung
Die EU hat eine neue Übergangsregelungen eingeführt, um den Start der regulären Phase ab Januar 2026 reibungslos zu gestalten. Dazu gehören unter anderem vorläufige Zulassungen für Importeure sowie überarbeitete Leitlinien zur Emissionsberechnung. Der Erfolg von CBAM hängt jedoch entscheidend davon ab, ob es gelingt, Klimaziele mit gerechtem Handel und globaler Entwicklungszusammenarbeit zu verbinden. Afrikanische Regierungen und Unternehmen müssen nun rasch Maßnahmen ergreifen, um Nachhaltigkeit in Handel und Industriepolitik zu integrieren. Gleichzeitig ist auch die EU gefordert, CBAM mit gezielter finanzieller und technischer Unterstützung für die Partnerländer zu flankieren. Nur dann kann der Mechanismus zu einem gemeinsamen Instrument des globalen Klimaschutzes werden.
Support in der Umsetzung
Wenn Sie Unterstützung bei der strategischen Bewertung von CBAM-Auswirkungen auf Ihre Lieferkette oder beim Aufbau von Emissionsdaten-Systemen benötigen, kontaktieren Sie uns gerne direkt unter helge@kolum.earth.