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Chinas Emissionshandelssystem: Ausweitung schreitet voran, doch Durchsetzung und Preisgestaltung bleiben entscheidend

CBAM Weekly – Issue 69


China macht Fortschritte, doch volle ETS-Tauglichkeit liegt noch in der Zukunft

China hat wichtige Schritte zur Ausweitung seines nationalen Emissionshandelssystems unternommen. Das System startete im Jahr 2021 mit dem Stromsektor. Im Jahr 2024 wurde es auf die Sektoren Stahl, Zement und Aluminium ausgedehnt. Damit deckt der Emissionshandel mittlerweile rund 60 Prozent der nationalen Emissionen ab. Diese Ausweitung stellt einen bedeutsamen Fortschritt dar. Gleichzeitig fehlen noch zentrale Reformen wie absolute Emissionsobergrenzen, klare Reduktionspfade und ein effektiver CO₂-Preis. Diese sollen erst ab dem Jahr 2027 eingeführt werden.

Sektorale Ausweitung stärkt Systemrelevanz

Mit der Einbeziehung von über 1.300 zusätzlichen Industrieanlagen im Jahr 2024 erfasst das chinesische ETS nun zentrale Emissionsquellen. Darüber hinaus wurden erstmals fluorierte Treibhausgase im Aluminiumsektor reguliert. Diese Schritte zeigen, dass China seine Klimapolitik weiterentwickelt und auf externe Anforderungen reagiert. Besonders das europäische CBAM-System erhöht den Handlungsdruck für eine wirksame CO₂-Bepreisung.

Absolute Emissionsobergrenzen ab 2027 geplant

Bislang basiert das chinesische ETS auf Emissionsintensität. Das bedeutet, dass bei steigendem Output auch die Gesamtemissionen steigen dürfen. Dieses Modell soll nun schrittweise ab dem Jahr 2027 durch absolute Emissionsobergrenzen ersetzt werden. Die vollständige Umsetzung ist bis 2030 vorgesehen. Absolute Obergrenzen oder ein Baseline-Szenario gelten als Voraussetzung für die internationale Anerkennung eines Emissionshandelssystems. Sie schaffen klare Rahmenbedingungen und stärken langfristig das Vertrauen in die Zielerreichung. Für den europäischen CBAM kommt diese Umstellung jedoch zu spät, da bereits ab kommenden Jahr Emissionen an der Grenze bepreist werden.

Schwache Durchsetzung und fehlende Preisimpulse

Trotz wachsender Reichweite fehlt es dem System an Durchsetzungskraft. Alle Emissionszertifikate werden derzeit kostenlos zugeteilt. Damit entstehen kaum direkte Kostenanreize zur Emissionsminderung. Nur in den Fällen, in denen Unternehmen nicht mit den kostenlosen Zertifikaten auskommen, müssen sie entsprechende Zertifikate erwerben. Fachleute fordern von China die Einführung eines verbindlichen Reduktionspfads für die jährliche Zertifikatsmenge. Ein solches Instrument schafft Planungssicherheit für Unternehmen und verbessert die Preisentwicklung. Bisher fehlt dem System zudem ein Mechanismus zur Marktstabilisierung. In der EU sorgt eine Marktstabilitätsreserve dafür, dass das Angebot an Zertifikaten flexibel angepasst werden kann. In China greifen Behörden nur im Einzelfall ein, anders als etwa Südkorea. Diese Praxis erschwert eine vorausschauende Marktsteuerung.

CO₂-Preise reichen nicht aus

Die aktuellen CO₂-Preise in China liegen deutlich unter dem internationalen Niveau. Im Jahr 2025 betrug der Durchschnittspreis rund 11 US-Dollar pro Tonne. In der EU lag der Preis im gleichen Zeitraum bei etwa 80 US-Dollar. Studien zeigen, dass zur Erreichung der Klimaziele Preise zwischen 50 und 100 US-Dollar pro Tonne notwendig sind. In besonders emissionsintensiven Branchen können die Vermeidungskosten sogar bis zu 800 US-Dollar pro Tonne betragen.

CBAM schafft Reformdruck

Ab Januar 2026 erhebt die EU CO₂-Kosten auf Importe energieintensiver Güter. Für chinesische Exporte aus den Bereichen Stahl und Aluminium könnten dadurch jährliche Zusatzkosten von bis zu 2,8 Milliarden RMB entstehen. Ohne Anpassungen fließt dieses Geld an die EU ab. Mit einem funktionierenden heimischen ETS könnte China diese Einnahmen im eigenen Land halten und gezielt für den Umbau seiner Industrie einsetzen.

Fazit

Das chinesische Emissionshandelssystem steht an einem Wendepunkt. Die Ausweitung auf zentrale Industriebranchen ist ein Fortschritt. Doch ohne absolute Obergrenzen, funktionierende Preismechanismen und klare Durchsetzung wird das System international kaum bestehen. Für eine CBAM-Anerkennung ab 2026 kommt die Umstellung zu spät. Nun bleibt wenig Zeit, um Transparenz, Glaubwürdigkeit und regulatorische Verlässlichkeit aufzubauen. Die kommenden zwölf Monate werden entscheidend sein.

Unterstützung

Wenn Ihr Unternehmen in China tätig ist oder von dort exportiert, unterstützen wir Sie gern bei der Bewertung der Auswirkungen des CBAM und der aktuellen Entwicklungen im chinesischen ETS. Kontaktieren Sie uns direkt unter helge@kolum.earth.