CBAM-Zertifikatehandel ab 2027: Die Handelsplattform kommt
CBAM Weekly – Issue 84
Ein Meilenstein in der CBAM-Infrastruktur
Die Europäische Kommission hat am 2. März 2026 die Ausschreibung für die Common Central Platform (CCP) veröffentlicht, über die ab Februar 2027 CBAM-Zertifikate gekauft und wieder verkauft werden sollen. Was auf den ersten Blick nach einer technischen Beschaffungsmaßnahme klingt, markiert einen entscheidenden Schritt in der operativen Umsetzung des Mechanismus. Denn mit der CCP entsteht das zentrale Zahlungs- und Handelssystem, auf dem das Zertifikatsmanagement erfolgen soll. Die Frist für Angebote läuft bis zum 20. März 2026. Bis Ende August 2026 muss eine testfähige Vorversion stehen, ab 1. Februar 2027 soll die Plattform vollständig operativ sein.
Warum das mehr als ein IT-Projekt ist
Die CCP ist nicht einfach eine Datenbank. Sie wird das operative Rückgrat für das gesamte Zertifikatsmanagement im CBAM-System. Alle 27 Mitgliedstaaten haben im Dezember 2025 ein gemeinsames Beschaffungsabkommen unterzeichnet, was zeigt, wie ernst die Kommission die einheitliche Umsetzung nimmt. Anders als beim bisherigen Übergangsregister, das primär der Berichterstattung diente, geht es jetzt um echte finanzielle Transaktionen. Für Unternehmen bedeutet das konkret, dass, hoffentlich, ab Februar 2027 ein verbindlicher Zahlungskanal existiert. Wer CBAM-pflichtige Waren importiert, wird über diese Plattform Zertifikate erwerben müssen, deren Preis sich am wöchentlichen Durchschnittspreis der EU-ETS-Auktionen orientiert. Das macht CBAM-Kosten erstmals direkt liquiditätswirksam. Der Zugang soll über das CBAM-Register erfolgen, in dem die Unternehmen auch bereits den Antrag als zugelassener CBAM-Anmelder eingereicht haben. Der Zeitplan ist ambitioniert, denn zwischen der Ausschreibung im März und dem operativen Start im Februar 2027 liegen weniger als zwölf Monate. Es besteht die Gefahr, dass zu Beginn der Inbetriebnahme wieder viele Fehler im System vorliegen, wie es Unternehmen zu Beginn der Übergangsphase beim Übergangsregister erleben mussten. Zudem gilt es auch eine Zahlungsinfrastruktur aufzusetzen, über die Unternehmen dann die Rechnungen für die CBAM-Zertifikate werden begleichen können.
Rechtliche Details fehlen
Neben der operativen Platform zum Kauf und Verkauf der Zertifikate fehlt auch noch der Rechtsakt, der die rechtlichen Rahmenbedingungen klärt. Das trifft auch auf die Regelungen zu einer Anrechnung von bereits gezahlten CO2-Preisen im Drittland zu. Es besteht also entsprechend bei einem der großen Eckpfeiler des Mechanismus nach wie vor Unsicherheit.
Vorbereitung der Unternehmen
Wer seine internen Prozesse noch nicht auf den Zertifikatekauf vorbereitet hat, sollte jetzt drei Dinge prüfen. Erstens die Integration in bestehende Treasury- und Beschaffungsprozesse, denn CBAM-Zertifikate werden zu einem wiederkehrenden Kostenfaktor. Zweitens die Datenverfügbarkeit, weil der Zertifikatebedarf direkt von den gemeldeten Emissionen abhängt und Ungenauigkeiten in den Lieferantendaten sich unmittelbar auf die Beschaffung der Zertifikate niederschlagen, entweder in fehlenden Mengen oder in Überschüssen. Drittens die Abstimmung zwischen Zoll, Einkauf und Sustainability, da der Zertifikatskauf die operative Schnittstelle wird, an der diese Funktionen zusammenlaufen.
Der größere Kontext
Die Ausschreibung fällt in eine Phase, in der CBAM politisch unter Beobachtung steht. Parallel diskutieren Industrieverbände über Schutzlücken, einzelne Mitgliedstaaten fordern Anpassungen bei der Freizuteilung, und die Frage der CBAM-Erweiterung auf weitere Sektoren bleibt auf der Agenda. Dass die Kommission trotz dieser Debatten den operativen Aufbau konsequent vorantreibt, sendet ein klares Signal. CBAM kommt, und zwar nach Zeitplan. Das unterstreicht auch die jüngste Aussage von dem EU-Kommissar Hoekstra, der noch einmal bezugnehmen auf die Düngemitteldebatte unterstrichen hat, dass an CBAM nicht mehr gerüttelt wird. Für Unternehmen ist das eine wichtige Orientierung. Ausblick Mit der CCP rückt CBAM endgültig vom Compliance-Thema zum Finanzthema. Die Plattform wird nicht nur Zertifikate verkaufen, sondern auch Rückkäufe ermöglichen und den jährlichen Abgleich zwischen gemeldeten Emissionen und erworbenen Zertifikaten abwickeln. Unternehmen, die ihre Emissionsdaten im Griff haben, werden hier einen Vorteil haben, weil sie ihren Zertifikatebedarf präzise planen können. Wer mit Schätzungen oder Standardwerten arbeitet, wird Puffer einkalkulieren müssen und damit höhere Kapitalbindung in Kauf nehmen. Die nächsten Monate werden zeigen, wie schnell die Plattform tatsächlich steht und welche Funktionalitäten zum Start verfügbar sein werden.
Support
Wenn Sie prüfen möchten, wie Sie Ihre CBAM-Prozesse auf den Zertifikatehandel vorbereiten können oder wie Ihre Emissionsdaten in die Bedarfsplanung einfließen sollten, schreiben Sie mir gerne an helge@kolum.earth. Wir unterstützen Sie dabei, den Übergang von der Berichtsphase in die operative Phase strukturiert zu gestalten.