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EU-Australien Freihandelsabkommen: Was der Durchbruch für CBAM bedeutet

CBAM Weekly – Issue 87


Das nächste Freihandelsabkommen nach MERCOSUR

Nach acht Jahren Verhandlung haben Australien und die Europäische Union am 24. März den Abschluss eines umfassenden Freihandelsabkommens verkündet. Das Abkommen geht über reinen Zollabbau hinaus. Australien investiert parallel in die Dekarbonisierung seiner Exportindustrien und plant einen eigenen Grenzausgleich. Beides verändert die Ausgangslage für europäische Importeure.

Zölle, kritische Rohstoffe und strategische Partnerschaft

Das Abkommen sieht vor, dass Zölle auf 98 Prozent der australischen Exporte in die EU und auf über 99 Prozent der EU-Exporte nach Australien wegfallen. Für die EU ist dabei der gesicherte Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium und Aluminium zentral, die für die Energiewende essenziell sind. Australien positioniert sich damit als strategischer Lieferant und Alternative zu China. Flankierend wurde eine Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft unterzeichnet, die auch die Absicherung von Lieferketten umfasst. Beide Seiten diversifizieren ihre Handelsbeziehungen in einer Phase, in der geopolitische Unsicherheiten und protektionistische Tendenzen zunehmen und setzen auf verlässliche Partnerschaften.

Australien verfolgt eine Doppelstrategie

Interessant ist die Doppelstrategie Australiens. Einerseits sichert sich das Land über das Freihandelsabkommen einen verbesserten Zugang zum EU-Binnenmarkt und investiert in die Dekarbonisierung seiner Exportindustrien. Andererseits plant Australien einen eigenen Grenzausgleichsmechanismus, um den heimischen Markt vor CO2-intensiven Importen zu schützen. Der im Februar veröffentlichte Abschlussbericht des Carbon Leakage Review empfiehlt der Regierung, zunächst Zement und Klinker zu regulieren. Weitere Sektoren wie Stahl, Glas, Kalk und Ammoniak befinden sich in der Prüfung. Die australischen CO2-Preise im Rahmen des Safeguard Mechanism steigen, und die Regierung will verhindern, dass Produkte aus Ländern ohne Bepreisung den heimischen Markt überschwemmen. Die Empfehlungen werden im Rahmen des Safeguard Mechanism Review 2026-27 geprüft. Australien verhält sich damit genau so, wie es die Logik von CBAM vorsieht. Wer Zugang zu Märkten mit CO2-Bepreisung behalten will, muss selbst vergleichbare Standards entwickeln. Und wer diese Standards einführt, will den eigenen Markt ebenfalls schützen.

Was das für europäische Importeure bedeutet

Für Unternehmen, die australische CBAM-Waren importieren, verbessert sich die Ausgangslage. Australische Produzenten haben starke Anreize, ihre Emissionsdaten transparent zu dokumentieren und in Dekarbonisierung zu investieren. Mittelfristig dürften australische Lieferanten damit zu den Partnern gehören, bei denen belastbare Emissionswerte und niedrigere CBAM-Zertifikatskosten realistisch sind. Gleichzeitig wird die Landschaft komplexer. Die EU hat CBAM bereits in Kraft, das Vereinigte Königreich folgt 2027, und neben Australien prüfen auch Kanada, Norwegen und Taiwan eigene Grenzausgleichsmechanismen. Für Importeure bedeutet das eine wachsende Zahl von CO2-Preissystemen und Anrechnungsmechanismen, die in der Lieferantenauswahl und Vertragsgestaltung berücksichtigt werden müssen.

Ausblick

Das EU-Australien Freihandelsabkommen muss noch vom Europäischen Rat angenommen und von beiden Seiten ratifiziert werden. Unternehmen mit australischen Lieferanten sollten diese Entwicklung beobachten und prüfen, ob ihre Verträge bereits Klauseln zur Emissionsdokumentation enthalten. Denn dann werden sie voraussichtlich einen höheren Abzug bei der CO2-Grenzabgabe erzielen können. Die genauen Details zur Anrechnung von im Drittland angefallen CO2-Preisen erwarten wir im vierten Quartal diesen Jahres.

Support

Wenn Sie wissen möchten, wie sich aktuelle Entwicklungen auf Ihre CBAM-Pflichten auswirken oder wie Sie Ihre Prozesse auf regulatorische Änderungen vorbereiten können, schreiben Sie mir gerne an helge@kolum.earth.