CBAM und Strom: Warum die EU-UK-Verhandlungen auch für Importeure relevant sind
CBAM Weekly – Issue 88
EU-Rat gibt Verhandlungen zum Binnenstrommarkt frei
Der EU-Rat hat Verhandlungen über eine Teilnahme des Vereinigten Königreichs am europäischen Binnenstrommarkt freigegeben. Das ist zunächst für den Energiemarkt relevant, betrifft aber auch CBAM-pflichtige Unternehmen. Strom fällt unter CBAM, und seit dem 1. Januar 2026 gilt das auch für Importe aus Großbritannien.
Das Problem beim Stromhandel in der Praxis
Die Anwendung von CBAM auf Strom ist deutlich komplexer als bei anderen Gütern. Anders als bei Stahl oder Aluminium fehlt beim Strom die direkte Verbindung zwischen Produktion und Import. Aufgrund dieser Komplexität haben mehrere Energieunternehmen und Branchenverbände die Europäische Kommission zuvor gedrängt, den britischen Stromhandel vorübergehend von CBAM auszunehmen, da die aktuellen Regeln die Großhandelspreise in Nordwesteuropa erhöhen und die Markteffizienz untergraben könnten. Der CBAM-Abzug für bereits gezahlte CO2-Abgaben ließe sich beim Strom in der Praxis kaum geltend machen.
Was das geplante Abkommen vorsieht
Das Abkommen zum Binnenstrommarkt würde eine dynamische Angleichung britischer Gesetze an EU-Regeln vorsehen. Es soll sowohl den Großhandels- als auch den Einzelhandelsmarkt umfassen und gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen beiden Seiten schaffen. Ziel ist es, die Effizienz des Stromhandels zu verbessern und Investitionen in erneuerbare Energien zu erleichtern. Die Auswirkungen von CBAM auf den Stromhandel dürften in den kommenden Jahren steigen, da die britische Windkapazität wächst und die Stromexporte zunehmen. Die EU braucht Zugang zu britischer Windenergie, das Vereinigte Königreich braucht einen funktionierenden Handelsrahmen, und CBAM hat hier als Katalysator gewirkt. Ohne die CO2-Grenzabgabe auf Stromimporte hätte wohl die Dringlichkeit gefehlt, die Rahmenbedingungen für den grenzüberschreitenden Stromhandel neu zu verhandeln. EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra hatte im Dezember klargestellt, dass es vor dem Start der definitiven CBAM-Phase keine Ausnahme für das Vereinigte Königreich geben würde. Solange die Verhandlungen nicht abgeschlossen sind, bleibt die CBAM-Behandlung von UK-Strom daher eine offene Frage für die praktische Umsetzung. Parallel zu den Binnenstrommarkt-Verhandlungen laufen seit Januar 2026 auch Gespräche über eine Verknüpfung der Emissionshandelssysteme, die langfristig zu gegenseitigen CBAM-Befreiungen führen könnte.
Ausblick
CBAM ist von Beginn an als sektorübergreifender Mechanismus konzipiert worden. Dabei gibt es aber erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Industrien. Die Verhandlungen zum Binnenstrommarkt zeigen, dass einige der komplexesten Anwendungsfragen im Strombereich politisch erkannt sind und aktiv angegangen werden. Unternehmen mit UK-Stromimporten sollten diese Entwicklung beobachten und prüfen, ob ihre CBAM-Prozesse auf verschiedene Szenarien vorbereitet sind.
Support
Wenn Sie wissen möchten, wie sich die aktuellen Entwicklungen auf Ihre CBAM-Pflichten auswirken oder wie Sie Ihre Prozesse auf regulatorische Änderungen vorbereiten können, schreiben Sie mir gerne an helge@kolum.earth.