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Erster CBAM-Zertifikatspreis veröffentlicht: Planbarkeit bei den Kosten, Unsicherheit bei den Daten

CBAM Weekly – Issue 89


75,36 Euro pro Tonne für das erste Quartal

Die EU-Kommission hat am 7. April den ersten CBAM-Zertifikatspreis veröffentlicht, der bei 75,36 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent liegt. Für Importeure ist das zunächst eine gute Nachricht, denn damit steht nun eine der zentralen Variablen für die Berechnung ihrer Verbindlichkeiten fest. Die anderen Variablen bleiben allerdings mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.

Warum der Preis niedriger ausfällt als erwartet

Der veröffentlichte Preis ist der gewichtete Durchschnitt aller EU-ETS-Schlusspreise im ersten Quartal. Im Januar lagen die ETS-Preise noch bei über 92 Euro, bevor sie im Lauf des Quartals deutlich zurückgingen, nachdem die Kommission angekündigt hatte, das ETS-System im Rahmen der anstehenden Revision zu überarbeiten. Wer im Januar mit höheren CBAM-Kosten gerechnet hatte, profitiert nun von der Durchschnittsbildung. Für das zweite Quartal wird der Preis am 6. Juli veröffentlicht, für Q3 am 5. Oktober und für Q4 am 4. Januar 2027. Ab 2027 erfolgt die Berechnung dann wöchentlich.

Die Formel ist bekannt, aber die Variablen sind es nicht

Die Berechnung der CBAM-Kosten pro Tonne folgt einer klaren Formel, bei der die grauen Emissionen um die kostenlose Zuteilung an Emissionen reduziert wird, mit dem CBAM-Faktor multipliziert und mit dem Zertifikatspreis bewertet werden. Abgezogen werden können außerdem bereits im Ursprungsland gezahlte CO2-Preise. Während der Zertifikatspreis nun bekannt ist, bleiben die Emissionsdaten selbst die entscheidende offene Variable.

Wer auf verifizierte Emissionsdaten seiner Lieferanten zurückgreifen kann, zahlt in der Regel deutlich weniger als bei Verwendung von Standardwerten. Nach Berechnungen von Branchenbeobachtern könnten die CBAM-Kosten mit tatsächlichen Emissionsdaten auf einen Bruchteil sinken. In der Praxis sind jedoch viele Importeure derzeit noch auf Standardwerte angewiesen, da die Akkreditierung von Prüfstellen erst anläuft und viele Lieferanten außerhalb der EU noch keine Systeme zur Emissionsüberwachung nach EU-Standard aufgebaut haben. Die Standardwerte sind dabei bewusst konservativ angesetzt und enthalten einen Aufschlag, der für die meisten Waren 2026 bei 10 Prozent liegt und bis 2028 auf 30 Prozent steigt. Wer dauerhaft auf Standardwerte angewiesen ist, zahlt also systematisch mehr.

Die Vorverifizierung

Deshalb versuchen Unternehmen derzeit, ihre Lieferanten so gut es geht auf die Emissionsüberwachung vorzubereiten. Vielfach wird auf eine sog. Vorverifizierung zurückgegriffen. Diese soll die Lieferanten schon heute nach den CBAM-Standards überprüfen, um den Unternehmen die Sicherheit zu bieten, dass der Lieferant später die richtige Verifizierung besteht und möglichst auch der übermittelte CO2-Wert auch in der Höhe verifiziert ist. In der Praxis zeigen sich hier aber erhebliche Schwierigkeiten. Die meisten vorverifizierten Datensätze halten einer genauen Überprüfung nicht statt, da wesentliche Merkmale wie etwa ein Emissionsüberwachungsplan fehlen.

Planungssicherheit?

Neben den Emissionsdaten ist auch der Abzug der CO2-Preise, die bereits im Drittland angefallen sind, weiterhin unklar. Hier warten wir noch auf die Durchführungsverordnung. Unternehmen können nun mit dem Zertifikatspreis aber trotzdem Planungssicherheit für die Importe im Q1 2026 erhalten, zumindest in einem worst case-Szenario. Dafür können sie mit den Standardwerten und dem veröffentlichten CO2-Preis rechnen. Ein abziehbarer CO2-Preis, der schon gezahlt wurde oder verifizierte Emissionsdaten verringern lediglich die so berechneten Kosten.

Was Unternehmen jetzt tun können

Der Kauf von CBAM-Zertifikaten beginnt am 1. Februar 2027, die erste Abgabefrist ist der 30. September 2027 für alle Importe des Jahres 2026. Bis dahin entsteht keine Zahlungspflicht, aber die Verbindlichkeiten laufen bereits auf. Unternehmen sollten jetzt zwei Szenarien durchrechnen, eines auf Basis der aktuellen Standardwerte und eines mit realistischen Annahmen für tatsächliche Emissionen. Die Differenz zeigt, welchen Wert Investitionen in Lieferantendaten haben. Wer frühzeitig mit seinen Lieferanten in den Austausch geht und Emissionsdaten systematisch erfasst, reduziert seine Kostenbelastung und ist auf die Verifizierungspflichten ab 2027 vorbereitet.

Ausblick

Mit der Veröffentlichung des ersten Zertifikatspreises wird CBAM für viele Unternehmen erstmals konkret kalkulierbar. Offen bleibt, wie sich die ETS-Preise in den kommenden Quartalen entwickeln und wie schnell sich belastbare Verifizierungsstrukturen in den wichtigsten Lieferländern etablieren.

Support

Wenn Sie wissen möchten, wie sich der veröffentlichte Zertifikatspreis auf Ihre CBAM-Verbindlichkeiten auswirkt oder wie Sie Ihre Lieferantendaten für die Verifizierung vorbereiten können, schreiben Sie mir gerne an helge@kolum.earth.