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Britische CBAM-Standardwerte: Ein Wert für alle Herkunftsländer und eine Wahl ohne Korrektur

CBAM Weekly – Issue 117


HMRC legt Standardwerte und erste Sätze vor

Die britische Steuerbehörde HMRC hat am 16. Oktober 2026 die Standardwerte für den UK CBAM und erste illustrative CBAM-Sätze je Sektor veröffentlicht. Damit lässt sich erstmals abschätzen, was Einfuhren von Stahl, Aluminium, Zement, Düngemitteln und Wasserstoff ins Vereinigte Königreich ab dem 1. Januar 2027 kosten. Für Hersteller und Händler mit britischen Kunden lohnt der Vergleich mit dem EU-CBAM, denn die britischen Standardwerte folgen einer anderen Logik.

Der britische Satz enthält die kostenlose Zuteilung bereits

Britische Importeure zahlen einen Steuersatz je Tonne CO₂e, der für jeden Sektor vorab festgelegt wird. Er ergibt sich aus dem durchschnittlichen Auktionspreis im britischen Emissionshandel des Vorquartals, gekürzt um den Anteil kostenloser Zuteilung im Sektor. Für die illustrativen Sätze hat HMRC den Durchschnitt von Juli bis September 2026 angesetzt, 58,15 Pfund je Tonne, und einen Reduktionsfaktor von 97,5 Prozent für 2027. Daraus ergeben sich 9,69 Pfund für Eisen und Stahl, 9,79 Pfund für Aluminium, 9,24 Pfund für Wasserstoff, 8,78 Pfund für Zement und 1,45 Pfund für Düngemittel.

Im Zementbeispiel von HMRC decken kostenlose Zertifikate 87,1 Prozent der direkten Emissionen, Importeure tragen damit rund 15 Prozent des vollen CO₂-Preises. Die EU setzt dagegen den vollen Zertifikatspreis an und zieht die kostenlose Zuteilung über produktbezogene Benchmarks ab, multipliziert mit dem CBAM-Faktor von 95 Prozent für 2027. HMRC betont, dass die Sätze keine Prognose sind. Die verbindlichen Sätze für das erste Quartal 2027 erscheinen vor Jahresende.

Ein Wert je KN-Code, gleich aus welchem Land

Die britischen Standardwerte gelten je achtstelligem KN-Code und unabhängig vom Herkunftsland. Grundlage sind nach HMRC Daten der EU mit denselben Systemgrenzen, gewichtet nach der Zusammensetzung der britischen Einfuhren und ohne Einfuhren aus der EU. In allen Sektoren außer Düngemitteln ist ein Aufschlag von 10 Prozent bereits eingerechnet. Die Werte gelten vom 1. Januar 2027 bis zum 31. Dezember 2028, ab 2029 will die Regierung einen Wert je Ware und Land festlegen. Rechtlich stehen sie in einer HMRC-Bekanntmachung, die Gesetzeskraft erhalten soll, bisher aber nur als Entwurf vorliegt.

Die EU arbeitet seit Januar mit Werten je Herkunftsland nach der Durchführungsverordnung (EU) 2025/2621 in der Fassung der Berichtigung 2026/1740. Fehlt ein Länderwert, gilt der Wert für andere Länder. Auf den Gesamtwert kommt ein Aufschlag von 10 Prozent in 2026, 20 Prozent in 2027 und 30 Prozent ab 2028, bei Düngemitteln 1 Prozent. Für Warmband (KN 7208 39 00) gilt im UK 2027 ein Wert von 3,468 Tonnen CO₂e je Tonne. In der EU liegen die Werte für 2027 einschließlich Aufschlag bei 5,136 Tonnen für Indien, 3,824 Tonnen für China und 2,914 Tonnen für die Türkei. Lieferanten aus Ländern mit niedrigen EU-Werten verlieren im UK also ihren Vorteil, solange sie keine tatsächlichen Daten vorlegen.

Indisches Warmband: rund 34 Pfund im UK, rund 316 Euro in der EU

Eine Beispielrechnung für eine Tonne indisches Warmband mit Standardwerten zeigt die Größenordnung. Im UK ergeben 3,468 Tonnen mal 9,69 Pfund rund 34 Pfund. In der EU wird vom indischen Wert von 5,136 Tonnen die kostenlose Zuteilung abgezogen, also der Benchmark von 1,370 Tonnen mal 95 Prozent. Es bleiben 3,83 Tonnen, zum Zertifikatspreis des dritten Quartals 2026 von 82,32 Euro sind das rund 316 Euro.

Die Rechnung hängt an Annahmen, vor allem am EU-Zertifikatspreis 2027 und an den endgültigen britischen Sätzen. Der Abstand ist aber so groß, dass der UK CBAM 2027 für die meisten Lieferanten vor allem eine Frage der Daten und der Verwaltung sein wird. Mit dem weiteren Abbau der kostenlosen Zuteilung im britischen Emissionshandel dürften die Sätze steigen, HMRC rechnet sie quartalsweise neu.

Wer im UK Standardwerte wählt, kann nicht nachbessern

In der EU können Anmelder nach Artikel 7 Absatz 2 der CBAM-Verordnung zwischen tatsächlichen Emissionen und Standardwerten wählen. Im UK stellt HMRC klar, dass eine Erklärung mit Standardwerten später nicht mit tatsächlichen Emissionsdaten korrigiert werden kann. Ausgeschlossen ist außerdem, tatsächliche Werte für Vorprodukte mit einem Standardwert für die Endware zu kombinieren.

Für Hersteller mit britischen Kunden fällt die Entscheidung damit je KN-Code vor der ersten Erklärung. Wer verifizierte Daten unterhalb des britischen Standardwerts liefern kann, sollte das bis Jahresende mit seinen Kunden vereinbaren, auf Grundlage der Prüfanforderungen aus der britischen Emissionsverordnung, die wir in Ausgabe 111 vorgestellt haben. Für Waren aus der EU bleibt eine Befreiung an die Verknüpfung der Emissionshandelssysteme gebunden, die bisher nicht beschlossen ist.

Ausblick

HMRC veröffentlicht die verbindlichen Sätze für das erste Quartal 2027 vor Jahresende und nimmt bis zum 13. November Rückmeldungen zum technischen Leitfaden für Überwachung, Berichterstattung und Verifizierung entgegen. Am 20. November zeigt der EU-UK-Gipfel, ob die Verknüpfung der Emissionshandelssysteme kommt. Bis dahin sollten Lieferanten für ihre wichtigsten KN-Codes den britischen Standardwert neben ihre eigenen Emissionsdaten legen und entscheiden, wo sich verifizierte Daten lohnen.

Support

Wenn Sie wissen möchten, wie sich die britischen Standardwerte auf Ihre Lieferungen ins Vereinigte Königreich auswirken, etwa für welche KN-Codes sich verifizierte Daten gegenüber dem britischen Standardwert lohnen und wie die Kosten im Vergleich zum EU-CBAM ausfallen, schreiben Sie mir gerne an helge@kolum.earth.